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Ein Labyrinth wie in Chartres´ Kathedrale

Erschienen in: Oldenburgische Volkszeitung

Erschienen: 07/2009

Autor: Klaus-Peter Lammert

Er liegt abseits, ist für nicht Ortskundige schwer zu finden: der Hof Moorlicht, eine Einrichtung für fünf Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 20 Jahre - junge Menschen, die einer Betreuung bedürfen. Sie leben auf dem Hof mit seinen zehn Pferden, 30 Schafen und 15 Hektar Land, sind in die Arbeitsprozesse eingebunden, kümmern sich

um die Tiere, helfen beim Pflanzen und Ernten. "Eine feste Aufgabe gehört zu unserem Konzept", erklärt Gudrun Dormann, die Leiterin der Einrichtung, deren erzieherische Grundlage die Waldorfpädagogik und -heilpädagogik sind. Seit einiger Zeit gehört zu den Aufgaben auch die Pflege eines ganz besonderen Ortes: ein Baumlabyrinth. "Wir wollen es am 19. September eröffnen", erzählt Gudrun Dormann. Dann ist es genau sieben Jahre her, dass Moorlicht-Betreuer und -Jugendliche begonnen haben, die dem berühmten Labyrinth im französischen Chartres - es befindet sich in der gotischen Kathedrale und ist Teil des Jakobsweges - mit seinen 63 Kurven exakt nachempfundene Anlage anzulegen. Dazu pflanzten sie Birken, Schwarzerlen und Eichen, insgesamt 1000 Bäume. "Bäume, Licht und Leben - Labyrinth im Moorlicht" ist der Name der Anlage.

"Die Idee für das Labyrinth stammt von Lothar Bracht, der viel über Labyrinthe weiß", sagt Gudrun Dormann. Der Architekten aus Karlsruhe ist Mitglied des Moorlicht-Trägervereins Solveigs Hof mit Sitz in Rulle. Er sieht ein Labyrinth als eine Biographie an. "Jede Kurve symbolisiert ein Lebensjahr. Menschen begegnen sich und entfernen sich wieder voneinander. Die Bäume begrenzen den Weg." Auch die Zahl 63 hat dabei eine besondere Bedeutung. "Mit 63 Jahren ist das aktive Leben gelebt, dann sollte der Mensch mehr Ruhe einkehren lassen." "Das Baumlabyrinth mit seinen zwölf klaren Kreisen passt an diese Stelle. Der Mensch kann hier sagen, er möchte etwas Ruhe finden", betont Gudrun Dormann. Verirren könne sich der Mensch in dem Labyrinth nicht, denn es gebe nur einen Weg, der in die Mitte führt. Auch nur einen Weg, eine Schotterstraße, gibt es, der zum Hof Moorlicht führt. Der ist jetzt durch ein Feldzeichen gekennzeichnet. Es ist im Rahmen der Friedenszeichenaktion aus Anlass des 2000. Jahrestages der Varusschlacht bei Kalkriese entstanden. Bemalt hat es der Maltherapeut Rolf Brüning, der auch sonst als Therapeut eng mit den Betreuern und Bewohnern des Hofes Moorlicht zusammenarbeitet. Unübersehbar ist auf dem Friedenszeichen das auf einer Baumscheibe aufgemalte Labyrinth - auch ein Hinweis für die interessierte Öffentlichkeit darauf, dass sie ab dem 19. September auf dem Gelände des Hofes Moorlicht einen Ort der Ruhe und der Rückzugsmöglichkeit findet.


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